Asrin Askendery

„Seit 2012 lebe ich mit meinem Sohn (22 Jahre alt) in Stadthagen. Als ich als kurdische Künstlerin aus politischen Gründen meine Heimat verlassen musste, wurde Stadthagen, diese kleine, schöne Stadt, für meinen Sohn und mich zu einer zweiten Heimat. In dieser Stadt ist mein Sohn zur Schule gegangen, hat gute Freunde gefunden und beherrscht die deutsche Sprache heute wie ein Muttersprachler. Auch ich durfte als alleinerziehende Mutter die deutsche Sprache lernen und gute Freunde kennenlernen, von denen einige für uns wie Familie geworden sind.

Da mir aus politischen Gründen im Iran ein Studium verwehrt blieb, wollte ich hier unbedingt an die Universität. Deshalb habe ich zunächst eine zweijährige Ausbildung zur Informationstechnischen Assistentin absolviert, anschließend das Fachabitur nachgeholt und danach Informatik und Philosophie an der Leibniz Universität Hannover studiert. 2020, mitten in der Corona-Zeit, habe ich mich entschieden, mich im Bereich Computer-Dienstleistungen, Reparatur, Beratung und IT-Schulung für Senioren und Menschen mit geringen IT-Kenntnissen selbständig zu machen.

Als mein Sohn das Gymnasium besuchte, habe ich erlebt, wie schwierig es für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sein kann: Bei manchen Lehrkräften wurden Kinder nach Haarfarbe und Herkunft mit Vorurteilen beurteilt. Wie schmerzhaft und ungerecht das für einen Jungen und für mich als Mutter war, habe ich hautnah gespürt.

Auch in meiner Selbständigkeit im Bereich Computer-Dienstleistungen und Reparatur höre ich bis heute immer wieder eine Frage: „Machen Sie das wirklich selbst?” Diese scheinbar einfache Frage hat eine lange Geschichte gegenüber Frauen. Leider musste ich feststellen, dass solche Fragen auch in Deutschland und Europa nach Jahrhunderten von Zivilisation, Aufklärung und Moderne noch immer gestellt werden.

Stadthagen ist zwar eine kleine Stadt, doch hier leben Menschen aus über 32 Sprachräumen kulturelle Vielfalt prägt unseren Alltag. Auch KI und Digitalisierung sind längst ein großer Teil des Lebens der Menschen in dieser Stadt geworden. Obwohl technischer Fortschritt, KI und Digitalisierung eigentlich der Gesellschaft dienen sollten, erlebe ich täglich in meinem Geschäft, wie Senioren, Jugendliche und Familien durch die Digitalisierung und KI überfordert und verunsichert sind.

Deshalb setze ich mich besonders für folgende Punkte ein:

Als Fotokünstlerin, Absolventin der Philosophie und Selbständige im Bereich Informationstechnik und GenAI Engineering kandidiere ich für die Kommunalwahl 2026.
Ich trete an, um mich verantwortungsbewusst und aktiv für Gerechtigkeit, digitale Aufklärung, Chancengleichheit für Frauen, Diversität sowie Nachhaltigkeit einzusetzen. Ein besonderes Anliegen ist es mir, marginalisierte und oft unsichtbare Menschen in unserer Stadt sichtbar zu machen. Als Stadthägerin mit Migrationshintergrund weiß ich, wie wichtig es ist, dass wir alle unabhängig von unserer Herkunft respektvoll und auf Augenhöhe miteinander leben, mitdenken und unsere Stadt gemeinsam gestalten.

Mich leitet dabei ein tiefes Verständnis für das Gemeinschaftliche: Für Aristoteles war die Politik die „höchste aller Künste”, und die politische Philosophin Hannah Arendt prägte den Gedanken, dass Macht niemals das Eigentum eines Einzelnen ist wahre Macht entsteht dort, wo wir uns zusammenschließen und gemeinsam handeln. Genau diesen Ansatz möchte ich in den Stadtrat einbringen.“

Am 13. September
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